Bremer Studierende in Warschau

Foto: Klaas Anders

Reisebericht Warschau, Exkursion vom 27. bis 31. Januar 2016

Im Rahmen einer studentischen Exkursion sind am 27. Januar 13 Studierende nach Warschau gefahren, um sich mit dem Gedenken der Aufstände in der Stadt, der völligen Zerstörung durch die deutsche Besatzungsmacht im Zweiten Weltkrieg und der Aufarbeitung der staatssozialistischen Epoche zu beschäftigen. Des Weiteren standen moderne Kunst und das zeitgenössische Leben in Warschau im Fokus der Teilnehmenden. Begleitet wurde die Gruppe der Studierenden von Natalia Brühl, Institut für Geschichtswissenschaft der Universität Bremen, und Silke Plate, Forschungsstelle Osteuropa an der Universität Bremen.

Im Rahmen der Exkursion wurde das Muzeum Sztuki Nowoczesnej w Warszawie (Museum für Moderne Kunst in Warschau) besucht. Dort wurde – moderiert von Natalia Brühl – angeregt über das „Lego-Konzentrationslager“ des Künstlers Zbigniew Libera diskutiert. Auch verschiedene andere Museen wurden besucht, zum Beispiel das Muzeum Powstania Warszawskiego (Museum des Warschauer Aufstandes). Die Aufarbeitung der Geschichte des Aufstandes war ein zentrales Thema der Exkursion. Oft wurde die (Nicht-)Beachtung des Aufstandes zu staatssozialistischen Zeiten diskutiert.

Auf den Spuren der einstmals größten jüdischen Gemeinde in Europa verbrachten die Studierenden viele Stunden im Żydowski Instytut Historyczny (Jüdisches Historisches Institut), in dem unter anderem über die Bearbeitung des Bestandes von Emanuel Ringelblum und das Untergrundarchiv Oneg Schabbat gesprochen wurde.

In vielen formellen und informellen Kontexten konnten die Studierenden mit verschiedensten Menschen in Warschau über die aktuelle Situation in Polen, die Einflüsse der rechts-konservativen Regierung oder die (un-)sichtbare Geschichte der Stadt diskutieren. Einige Studierende besuchten auch die zweieinhalb Stunden Zugfahrt entfernt liegende Gedenkstätte des ehemaligen Vernichtungslagers Treblinka und gedachten der Opfer des nationalsozialistischen Massenmordes. Währenddessen erkundeten andere den aufstreben Warschauer Stadtteil Praga auf der östlichen Seite der Weichsel, beispielsweise im Muzeum Warszawskiej Pragi (Museum Warschau-Praga), in dem Gentrifizierung und Wandel in Warschaus ältestem Stadtteil eindrucksvoll dargestellt werden, oder in einem der vielen kleinen Cafés und Galerien, die selbstverwaltet im ehemaligen Problembezirk Warschaus entstehen.

Das Muzeum Warszawskiej Pragi wie auch die Pawilony in der Nowy Świat (einer der bekanntesten Straßen in Warschau) werden mit Geldern der Europäischen Union gefördert. Die Pawilony sind eine Art Kulturzentrum, das in einem Hinterhof der Nowy Świat gelegen ist und aus verschiedenen kleinen Kneipen besteht, in denen sich besonders junge Warschauer*innen und (Erasmus-)Studierende treffen und sich nichts von nationalistischen Ressentiments spüren lässt. Trotzdem ist der Rechtsruck Polens mehr als deutlich. Überall in den Straßen sieht man durchgestrichene Davidsterne, „Anti-Antifa“-Slogans oder Insignien rechtsradikaler Gruppierungen. Dennoch bleibt als Gesamteindruck von Warschauer der einer kosmopolitischen, toleranten Metropole, in der jede*r einen Platz finden kann. Die Stadt wirkt jung und lebendig.

Nach vier Tagen mit einem spannenden und anspruchsvollen Programm endete die Exkursion für die Studierenden mit vielen neuen Impressionen von der polnischen Hauptstadt und dem historischen wie auch zeitgenössischen Leben in der Stadt an der Weichsel.

Klaas Anders

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