Besuch im Museum der Geschichte der polnischen Juden

Foto: Klaas Anders

Am Ende des offiziellen Programmteils stand am Abend des vorletzten Tages der Exkursion noch ein Besuch im Museum der Geschichte der polnischen Juden auf dem Programm. Auch wenn sich bei einem Großteil der Reisenden aufgrund des doch recht laufintensiven Vor- und Nachmittagsprogramms schon eine gewisse Müdigkeit eingestellt hatte, war der Besuch im Museum der Geschichte der polnischen Juden oder Polin (so das hebräische und das jiddische Wort für „Polen“) wohl ziemlich genau das, was man einen „krönenden Abschluss der Exkursion“ nennen würde.

Allerdings war die Zeit leider knapp bemessen und es blieben nur etwas mehr als zwei Stunden, um das Museum bis zur abendlichen Schließung um 20 Uhr zu erkunden. In diesen zwei Stunden wurden wir in überwiegend zügigem Tempo von einer bestens informierten und begeisterten Museumsführerin einmal durch die komplette Ausstellung geleitet. Selbst in der kurzen Zeit wurde immer wieder deutlich, dass die Geschichte des Judentums in Polen eine enorm reichhaltige Geschichte ist, die auch in vielerlei Hinsicht die sonstige Geschichte Polens und den Prozess der polnischen Staatsbildung beeinflusst hat.

Die Ausstellung im Museum folgt weitgehend einer chronologischen Ordnung, was bedeutet, dass die AusstellungsbesucherInnen sich nach dem Betreten der Ausstellung zunächst mit mittelalterlichen Zeichnungen und Schriftquellen, die von frühmittelalterlichem jüdischem Leben auf dem Gebiet des heutigen Staates Polens künden, konfrontiert sehen. Von diesem Ausgangspunkt skizziert, beschreibt und bebildert die Ausstellung mehr als ein halbes Jahrtausend jüdischer Geschichte in Polen. Allerdings ist die Ausstellung insgesamt nicht ausschließlich auf das heutige Gebiet Polens fokussiert, so dass ein Besuch im Polin Museum auch dazu führt, dass geneigte BesucherInnen mehr über die Geschichte des Judentums auf dem gesamten europäischen Kontinent erfahren und lernen. Natürlich werden in der Ausstellung auch die dunkelsten Kapitel in der jüdischen Geschichte nicht ausgespart, es fällt aber auf, dass das Konzept des Museums wie auch die Ausstellung selbst ein Stück weit die Intention verfolgt, jüdische Geschichte nicht nur als Opfergeschichte darzustellen und zu erzählen und stellenweise gängige Narrative zu durchbrechen.

Am Ende der hochinteressanten, wenn auch zeitweise leider (aus nachvollziehbaren Gründen!) etwas „gehetzten“ Führung konnte ich somit – wie auch einige andere Mitreisende – nur das Fazit ziehen, dass der Besuch dieses Museums noch einmal ein echtes Highlight war. Wenn die dafür notwendige Zeit vorhanden ist, könnte so mancher an Geschichte interessierte Mensch wohl auch mühelos gleich einen kompletten – wenn nicht sogar mehrere – Tag(e) in diesem Museum verbringen. Übrigens ist das Museum auch schon allein in architektonischer Hinsicht einen Besuch wert.

Jakob Sieling

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